Qualifizierung zur insoweit erfahrenen Fachkraft im Kinderschutz (InsoFa)

Kinderschutz verstehen. Gefährdungen einschätzen. Fachkräfte sicher beraten.

Kinderschutz gehört zu den verantwortungsvollsten Aufgaben pädagogischer und sozialer Arbeit. Wenn gewichtige Anhaltspunkte für eine mögliche Kindeswohlgefährdung wahrgenommen werden, müssen Fachkräfte Situationen differenziert betrachten, Risiken einschätzen und weitere Handlungsschritte fachlich begründet entwickeln.

Die insoweit erfahrene Fachkraft (InsoFa) nimmt in diesem Prozess eine besondere Rolle ein. § 8a SGB VIII sieht bei gewichtigen Anhaltspunkten ein strukturiertes Vorgehen und die Einbeziehung einer insoweit erfahrenen Fachkraft vor. 

Die berufsbegleitende Qualifizierung der KOMPASS Online Akademie vermittelt zentrale fachliche, rechtliche und methodische Grundlagen für diese anspruchsvolle Beratungsaufgabe.

Dabei geht es nicht darum, vermeintlich eindeutige Antworten auf komplexe Situationen zu finden. Kindeswohlgefährdung verlangt vielmehr eine fachlich fundierte Risikoeinschätzung, in der Informationen zusammengeführt sowie Belastungs- und Schutzfaktoren gegeneinander abgewogen werden. 

Die Qualifizierung ist deshalb kein reiner Selbstlernkurs, sondern ein prozessbegleiteter Qualifizierungsweg, der Fachwissen, Fallverstehen, Beratungskompetenz und professionelle Reflexion miteinander verbindet.

Die Qualifizierung richtet sich an Fachkräfte aus Sozialer Arbeit, Kinder- und Jugendhilfe sowie pädagogischen Arbeitsfeldern, die ihre Kompetenzen im Kinderschutz vertiefen und sich für beratende Aufgaben im Rahmen von Gefährdungseinschätzungen qualifizieren möchten.

Sie eignet sich insbesondere für Fachkräfte aus:

  • ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zur Erziehung
  • Kindertageseinrichtungen und Ganztagsangeboten
  • Schulen und Schulsozialarbeit
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
  • Jugend- und Familienarbeit
  • sozialen und pädagogischen Diensten
  • Leitungs-, Fachberatungs- und koordinierenden Funktionen

Die Qualifizierung setzt dabei eine pädagogische, sozialpädagogische oder vergleichbare fachliche Grundqualifikation sowie berufliche Praxiserfahrung voraus.

Die Qualifizierung besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Selbstlernmodulen.

Ausgangspunkt bilden die Grundlagen von Kinderschutz, Kindeswohl und Kinderrechten. Darauf aufbauend werden unterschiedliche Formen und Konstellationen von Kindeswohlgefährdung, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie das systematische Vorgehen bei gewichtigen Anhaltspunkten behandelt.

Die zugrunde liegende fachliche Systematik reicht von Kinderschutz und Kinderrechten über strukturellen Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung bis zu Rechtsgrundlagen, Gefährdungsformen und dem systematischen Vorgehen im Verdachtsfall. 

Modul 1 – Kinderschutz, Kindeswohl und Kinderrechte

Die Teilnehmenden entwickeln ein fundiertes Verständnis von Kinderschutz und setzen sich mit kindlichen Bedürfnissen, Kinderrechten, Beteiligung und institutioneller Verantwortung auseinander.

Kinder werden dabei nicht lediglich als Adressat:innen von Schutzmaßnahmen verstanden, sondern als Träger:innen eigener Rechte, deren Perspektiven und Wille in Kinderschutzprozessen berücksichtigt werden müssen. 

Modul 2 – Kindeswohlgefährdung erkennen und verstehen

Das zweite Modul beschäftigt sich mit der Frage, wann von einer möglichen Kindeswohlgefährdung gesprochen werden kann und welche Anhaltspunkte fachlich relevant sind.

Behandelt werden insbesondere körperliche Gewalt, seelische Gewalt, Vernachlässigung und sexualisierte Gewalt sowie weitere Gefährdungskontexte. Die vier Kernformen bilden auch in der zugrunde liegenden Fachliteratur einen zentralen Bezugsrahmen. 

Im Mittelpunkt steht dabei nicht das vorschnelle Bewerten einzelner Beobachtungen, sondern die differenzierte Betrachtung der Gesamtsituation eines Kindes oder Jugendlichen.

Modul 3 – Rechtliche Grundlagen und professioneller Schutzauftrag

Professionelles Handeln im Kinderschutz benötigt rechtliche Handlungssicherheit.

Das Modul vermittelt deshalb zentrale Grundlagen insbesondere aus dem SGB VIII, dem KKG und dem BGB und beschäftigt sich mit Schutzauftrag, Verantwortlichkeiten, Kooperation und den Grenzen der jeweiligen professionellen Rolle.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf §§ 8a und 8b SGB VIII und der Rolle der insoweit erfahrenen Fachkraft. 

Modul 4 – Gefährdungseinschätzung und professionelles Fallverstehen

Im vierten Modul rückt die konkrete Gefährdungseinschätzung in den Mittelpunkt.

Die Teilnehmenden lernen, Informationen strukturiert zusammenzuführen, Beobachtungen von Interpretationen zu unterscheiden, Risiko- und Schutzfaktoren zu betrachten und unterschiedliche Perspektiven in die fachliche Einschätzung einzubeziehen.

Dazu gehören unter anderem strukturierte Einschätzung, Informationssammlung und Dokumentation, kollegiale Beratung und der reflektierte Einsatz von Einschätzungsinstrumenten. Diese Elemente bilden auch die Grundlage des im Fachbuch dargestellten systematischen Vorgehens. 

Dabei wird zugleich ein professioneller Umgang mit Unsicherheit, Ambivalenz und unterschiedlichen fachlichen Einschätzungen entwickelt.

Modul 5 – Beratung und Prozessgestaltung als InsoFa

Das fünfte Modul führt die vorherigen Inhalte in der konkreten Beratungsrolle zusammen.

Im Mittelpunkt stehen Auftragsklärung, Beratung von Fachkräften und Teams, Gesprächsführung, Fallreflexion, Beteiligung der Betroffenen, Dokumentation sowie die Entwicklung fachlich begründeter Handlungsperspektiven.

Die InsoFa soll dabei nicht die Verantwortung der fallzuständigen Fachkraft übernehmen. Ihre besondere Aufgabe liegt vielmehr darin, einen strukturierten fachlichen Reflexions- und Beratungsprozess zu ermöglichen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt außerdem der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Kinderrechte und Kinderschutz sind eng miteinander verbunden; Beteiligung wird in der zugrunde liegenden Fachperspektive ausdrücklich als fachliche Notwendigkeit verstanden. 

Flexibles Lernen bedeutet bei uns nicht, allein zu lernen.

Die fünf Selbstlernmodule ermöglichen es den Teilnehmenden, sich fachliche Grundlagen zeitlich flexibel und im eigenen Lerntempo zu erschließen.

Alle zwei Wochen findet ein begleitender Online-Termin statt.

Diese Termine sind ein zentraler Bestandteil der Qualifizierung. Sie schaffen einen kontinuierlichen Reflexions-, Beratungs- und Entwicklungsraum, in dem Inhalte vertieft, Fragen geklärt und Fallkonstellationen gemeinsam betrachtet werden.

Gerade im Kinderschutz reicht theoretisches Wissen allein nicht aus. Professionelle Handlungssicherheit entwickelt sich auch dadurch, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, Einschätzungen fachlich zu begründen und die eigene Wahrnehmung immer wieder kritisch zu überprüfen.

So entsteht über die gesamte Qualifizierung hinweg ein kontinuierlicher Prozess:

Wissen erwerben → Situationen analysieren → Risiken und Ressourcen einschätzen → Perspektiven reflektieren → Beratung gestalten → Entscheidungen fachlich begründen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Qualifizierung liegt auf der Arbeit mit Fallkonstellationen aus der Praxis.

Die Teilnehmenden lernen, Informationen zu strukturieren, Hypothesen zu entwickeln und kritisch zu überprüfen, gewichtige Anhaltspunkte einzuordnen sowie Risiko- und Schutzfaktoren gegeneinander abzuwägen.

Dabei geht es gerade nicht darum, vermeintliche Gewissheit herzustellen.

Professionelles Fallverstehen bedeutet vielmehr, Komplexität zu strukturieren, Unsicherheiten sichtbar zu machen und dennoch begründete Handlungsperspektiven zu entwickeln.

5 Selbstlernmodule
Kinderschutz verstehen · Recht kennen · Gefährdungen einordnen

+

Zweiwöchentliche Online-Begleitung
Vertiefen · Austauschen · Fälle reflektieren · Perspektiven erweitern

+

Kontinuierliche Fall- und Praxisreflexion
Wahrnehmen · Einschätzen · Abwägen · Beraten

+

Mündliche Abschlussprüfung
Fallverstehen · fachliche Begründung · Beratungskompetenz

= Zertifikat der KOMPASS Online Akademie

Die Qualifizierung schließt mit einer mündlichen Abschlussprüfung ab.

Im Mittelpunkt steht nicht das reine Abfragen von Rechtsnormen oder auswendig gelerntem Fachwissen. Anhand einer Fallkonstellation zeigen die Teilnehmenden vielmehr, dass sie relevante Informationen strukturieren, mögliche Gefährdungen fachlich einschätzen und ihr Vorgehen nachvollziehbar begründen können.

Dabei werden Fachwissen, rechtliche Orientierung, professionelles Fallverstehen, Reflexionsfähigkeit und Beratungskompetenz miteinander verbunden.

Nach erfolgreicher Bearbeitung der fünf Module und bestandener mündlicher Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmenden ein

Zertifikat der KOMPASS Online Akademie

Umfang und Teilnahmegebühr

Die Qualifizierung ist als berufsbegleiteter und prozessual begleiteter Qualifizierungsweg konzipiert. Über fünf aufeinander aufbauende Module verbinden die Teilnehmenden fachliches und rechtliches Wissen mit Fallarbeit, professioneller Reflexion und der Entwicklung ihrer Beratungskompetenz.

Die Qualifizierung umfasst:

  • 5 umfangreiche Selbstlernmodule mit wissenschaftlich fundierten Lernmaterialien
  • fachliche Vertiefung zu Kinderschutz, Kinderrechten und Kindeswohlgefährdung
  • zentrale rechtliche Grundlagen des Kinderschutzes
  • strukturierte Verfahren der Gefährdungseinschätzung
  • Reflexions- und Transferaufgaben
  • kontinuierliche Fallarbeit und Fallreflexion
  • zweiwöchentliche begleitende Online-Termine
  • prozessuale Begleitung über den gesamten Qualifizierungszeitraum
  • fachlichen Austausch innerhalb der Lerngruppe
  • Entwicklung von Beratungs-, Reflexions- und Prozesskompetenz
  • Vorbereitung auf die Beratungsrolle der insoweit erfahrenen Fachkraft
  • mündliche Abschlussprüfung anhand einer Fallkonstellation
  • Zertifikat der KOMPASS Online Akademie nach erfolgreichem Abschluss

Die inhaltliche Breite reicht dabei von den Grundlagen des Kinderschutzes und den Kinderrechten über Kindeswohlgefährdung und rechtliche Grundlagen bis hin zur strukturierten Gefährdungseinschätzung und dem professionellen Vorgehen in Kinderschutzfällen. 

Teilnahmegebühr

850 € pro Person

Die Teilnahmegebühr umfasst sämtliche Lernmaterialien, die zweiwöchentliche Online-Begleitung, Fall- und Praxisreflexion, die mündliche Abschlussprüfung sowie das Zertifikat der KOMPASS Online Akademie.

Es entstehen keine zusätzlichen Prüfungs- oder Zertifikatsgebühren.

Für Einrichtungen und Träger, die mehrere Mitarbeitende qualifizieren möchten, bieten wir individuelle Gruppenangebote auf Anfrage an.

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